Jan Bart

eine Ballade von Theodor Fontane
  1. Jan Bart geht über den Vlissinger Damm.
  2. „Hür’, Katrin, wi trecken tosamm;
  3. En Huus, en Boot, ’ne Zieg’ un ’ne Kuh’,
  4. Wat mienst, Katrin? sy miene Fru.“
  5. Katrin an ihrem Friesrock zog:
  6. „Ne, Jan, bist mi nich Mynherr ’noog.“
  7. Der nickt und lacht: „Na, denn Adje.“
  8. Und nach Frankreich geht er und sticht in See.
  9. Matrose, Maat, so fängt er an,
  10. Auf der zweiten Reise: Steuermann,
  11. Auf der dritten: Leutnant unter Du Quesne,
  12. Auf der vierten: Flottenkapitän.
  13. Und als es mit England kommt zum Krieg,
  14. Wo Jan Bart erscheint, erscheint der Sieg;
  15. Wie stolz das britische Banner auch weh’,
  16. Jan Bart ist Herr und fegt die See.
  17. Heut aber tritt er vor seinen Herrn,
  18. Vor Louis quatorze. Der sieht ihn gern.
  19. „Willkommen, Jan Bart, in diesem Saal,
  20. Ich ernenn’ Euch zu meinem Groß-Admiral.“
  21. Jan Bart verneigt sich: „Majestät,
  22. Was klug und recht ist, kommt nie zu spät.“
  23. Alles starrt auf den König, der aber lacht, –
  24. Jan Bart hat sich wieder heim gemacht.
  25. Und am Vlissinger Damm, an alter Stell’,
  26. Sitzt wieder Katrin auf ihrer Schwell’,
  27. Ihren Ältesten hält sie bei der Hand,
  28. Der Jüngste liegt und spielt im Sand.
  29. Er grüßt sie lachend und noch einmal:
  30. „Katrin, ich bin nu Groß-Admiral,
  31. Katrin, w’rüm biste nich mit mi goahn?“
  32. „‚Joa, wenn ick’t wußt hätt, hätt’ ick’t doahn.‘“
Illustration zur Ballade «Jan Bart»

Inhaltsangabe

In der Bllade Jan Bart von Theodor Fontane aus dem Jahr 1858 wird die Geschichte eines einfachen Mannes erzählt, der durch außergewöhnliche Leistungen in der Marine zu hohen Ehren aufsteigt, jedoch von seiner einst angebeteten Frau abgewiesen worden war.

Jan Bart spaziert über den Vlissinger Damm und macht der Frau namens Katrin einen Heiratsantrag. Er biete ihr ein bescheidenes Leben mit einem Haus, einem Boot, einer Ziege und einer Kuh. Katrin lehnt den Antrag ab, da Jan ihr nicht vornehm genug sei. Dieser reagiert gelassen, verabschiedet sich und geht nach Frankreich, wo er zur See fährt.

Jan beginnt seine Karriere als einfacher Matrose und steigt schnell auf: Bereits auf der zweiten Reise wird er Maat, auf der dritten Steuermann, auf der vierten Leutnant unter Du Quesne und schließlich Flottenkapitän.

Als Krieg mit England ausbricht, erweist sich Jan Bart als äußerst erfolgreich und beherrscht die Meere, wo immer er erscheint. Eines Tages tritt er vor König Ludwig XIV., der ihn freundlich empfängt und zum Großadmiral ernennt. Jan verneigt sich und bemerkt, dass das Richtige niemals zu spät komme. Der König lacht über diese selbstbewusste Antwort, und Jan kehrt in seine Heimat zurück.

Am Vlissinger Damm sitzt Katrin an derselben Stelle wie früher auf ihrer Schwelle. Sie hält ihren ältesten Sohn an der Hand, während der jüngste im Sand spielt. Jan grüßt sie freundlich und teilt ihr mit, dass er nun Großadmiral sei. Er fragt sie, warum sie nicht mit ihm gegangen sei. Katrin antwortet bedauernd, hätte sie das gewusst, hätte sie es getan.
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Letzte Aktualisierung 23. Mai 2026, 1:18 UhrMonatliche Leser47➘ Abnehmende Beliebtheit
Jan Bart von Theodor Fontane wurde von balladen.net heruntergeladen, einem kostenlosen Literaturprojekt von Jonas Geldschläger.

Quelle: https://balladen.net/fontane/jan-bart/
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