- Ich hab’ meine Tante geschlachtet,
- Meine Tante war alt und schwach;
- Ich hatte bei ihr übernachtet
- Und grub in den Kisten-Kasten nach.
- Da fand ich goldene Haufen,
- Fand auch an Papieren gar viel
- Und hörte die alte Tante schnaufen
- Ohn’ Mitleid und Zartgefühl.
- Was nutzt es, daß sie sich noch härme –
- Nacht war es rings um mich her –
- Ich stieß ihr den Dolch in die Därme,
- Die Tante schnaufte nicht mehr.
- Das Geld war schwer zu tragen,
- Viel schwerer die Tante noch.
- Ich faßte sie bebend am Kragen
- Und stieß sie ins tiefe Kellerloch. –
- Ich hab’ meine Tante geschlachtet,
- Meine Tante war alt und schwach;
- Ihr aber, o Richter, ihr trachtet
- Meiner blühenden Jugend-Jugend nach.
Der Tantenmörder
… eine Ballade von Frank Wedekind
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- Inhaltsverzeichnis
Hintergrund
Frank Wedekinds Moritat Der Tantenmörder erschien 1897 in der Sammlung Die Fürstin Russalka. Bekannt wurde der Text vor allem durch Wedekinds Vorträge im Münchener Kabarett Die Elf Scharfrichter, wo das Gedicht Anfang des 20. Jahrhunderts öffentlich vorgetragen wurde. Als Vorlage diente vermutlich eine reale Gerichtsverhandlung, in der ein Täter den Mord an seiner Tante aus Habgier gestand.Die Ballade greift Elemente des traditionellen Bänkelsangs und der Moritat auf. Typisch dafür sind die einfache, volkstümliche Sprache, der erzählende Ton und die drastische Darstellung eines Verbrechens. Auffällig ist die kalte Gefühllosigkeit des Täters, der seine Tat beinahe sachlich beschreibt und keinerlei Reue zeigt.
Gerade dieser Gegensatz zwischen grausamem Inhalt und scheinbar harmloser, teilweise sogar komischer Sprache erzeugt die verstörende Wirkung des Gedichts. Wedekind nutzt die Figur des Mörders zugleich, um gesellschaftliche und moralische Vorstellungen seiner Zeit zu provozieren. Die Ballade zeigt einen Täter, der versucht, egoistische Interessen über menschliche Werte zu stellen. Dadurch wirkt Der Tantenmörder zugleich satirisch, schockierend und gesellschaftskritisch.
Inhaltsangabe
Die balladeske Moritat Der Tantenmörder von Frank Wedekind behandelt einen Mord aus Habgier und die Rechtfertigung des Täters vor Gericht. Das Gedicht erschien erstmals 1897 und schildert die Gedanken und Taten eines jungen Mannes, der seine Tante tötet, um an ihr Geld zu gelangen.Der Erzähler berichtet, dass er bei seiner alten und schwachen Tante übernachtet. Während seines Aufenthalts durchsucht er ihre Sachen und entdeckt Geld sowie wichtige Dokumente. Da er das Vermögen besitzen möchte und kein Mitgefühl für die Tante empfindet, beschließt er, sie zu töten. In der Nacht ersticht er die Frau und sorgt anschließend dafür, dass ihre Leiche im Keller verborgen wird.
Am Ende schildert der Täter, dass er sich nun vor Gericht verantworten muss. Dabei versucht er, seine Tat indirekt zu entschuldigen, indem er betont, dass die Richter seiner Jugend schaden würden.
» Balladen von Frank Wedekind «
Letzte Aktualisierung 23. Mai 2026, 0:37 UhrMonatliche Leser88➘ Abnehmende Beliebtheit
Der Tantenmörder von Frank Wedekind wurde von balladen.net heruntergeladen, einem kostenlosen Literaturprojekt von Jonas Geldschläger.
Quelle: https://balladen.net/wedekind/der-tantenmoerder/
Quelle: https://balladen.net/wedekind/der-tantenmoerder/
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